
6 aus 96
21. Januar 2012 - 18. Februar 2012
Eröffnung | Freitag 20. Januar 2012 | 19:00 Uhr
oqbo stellt sechs Künstlerinnen und Künstler aus dem paperfile vor
Ka Bomhardt <--Seraphina Lenz
Arnold Dreyblatt <-- Dirk Lebahn
David Rhodes <--Michael Bause
Christiane ten Hoevel <-- Julia Ziegler
Michael Toenges <-- Frank Eltner
Andrea Übelacker <-- Christian Bilger
6 aus 96
Im April 2008 eröffnete die Galerie oqbo mit paperfile 1 und legte den Grundstein für ein künstlerisches Schrankarchiv. 15 Künstler und Künstlerinnen wurden eingeladen, eine Mappe mit Originalen in einem Papierschrank bereitzulegen, der seitdem dem Publikum zur sorgsamen Selbstbedienung zur Verfügung steht.
Paperfile #7 fand im Herbst 2011 auf der Preview Berlin statt, der Schrank zählt mittlerweile 96 Mappen. Von klassischer Malerei über Zeichnung und Fotografie bis zu konzeptionellen Positionen ist alles vertreten. Auswahlkriterium ist für oqbo die gelungene Umsetzung einer Idee, die originäre Formfindung, die auf den Punkt gebrachte Beobachtung, die überzeugende Präsenz, der sichtbare Gedanke. Nicht immer stehen die Papierarbeiten im Zentrum der künstlerischen Produktion - hinter jeder Mappe steht ein umfassendes Werk.
Mit 6 aus 96 startet oqbo in das Jahr 2012 mit einem Format, das die Künstlerinnen und Künstler des paperfile ausführlicher vorstellen möchte. Das oqbo-Team kuratiert diese Ausstellung gemeinsam, indem jedes Team-Mitglied einen Gast auswählt und betreut. Es begegnen sich dabei Arbeiten von 3 Künstlerinnen und 3 Künstlern. Jede Arbeit für sich hat ihren eigenen, klaren Klang, kann allein als autonom und vollständig gelten und wird so auch in die Ausstellung gesetzt.
Dann beginnen in diesem neuen Kontext zwangsläufig die Korrespondenzen – formale und inhaltliche Parallelen unterstützen sich, Gegensätze verstärken Charakteristisches.
6 aus 96 ist insofern auch ein Experiment, eine Untersuchung über die Rezeption von Kunst, über Wahrnehmungsgewohnheiten, Verabredungen, Prägungen.
Die Künstler vertrauen ihre Arbeiten dieser Ausstellung an, wir trauen den Arbeiten diese Begegnungen zu... keine ganz herkömmlich Abendveranstaltung, eher ein surprise-Dinner, ein blind Date der besonderen Art.
Ausstellungsansicht / exhibitionview
In April 2008 Galerie oqbo opened its doors with the exhibit paperfile 1, laying the foundation for the gallery's cabinet-kept art archives. 15 artists were invited to create a portfolio of original works, which were then placed in the file cabinet for the public to diligently explore. In the fall of 2011 Paperfile 7 took place at PREVIEW BERLIN, at which point the cabinet boasted 96 portfolios. The collection is extremely diverse; it encompasses everything from traditional painting and drawing to photography and conceptual art. The criterion for participation in Paperfile is the successful, material realization of an idea, an original use of form that conveys extensive and astute observations, the convincing presence of tangible thoughts. Works on paper are not necessarily the core of each artists work - there is a widespread oeuvre behind the portofolios.
With 6 aus 96 oqbo began the appeal to artists who wished to expand their paperfile portfolios. In curating this exhibit, each oqbo team member worked personally with one guest artist. The outcome is an exhibit in which each work sings its own unique tune, an exhibit that explicitly aims to display the artworks as autonomous and independent creations. In this new context there occurs an immediate correspondence between the works; formal and conceptual parallels support each other while disparities become exaggerated. 6 aus 96 is thus also an experiment, an investigation of initial reactions to art, of learned perceptions and normalized expectations. The exhibit will catch you off guard like a surprise birthday party, surprise and excite you like a blind date. A conventional gallery experience is not to be anticipated…

Ka Bomhardt:
Das Pastellbild, mit selbst gefertigten Stiften gezeichnet, scheint aus dem Bereich der "Wunderkammern" zu Entdeckerzeiten des vorvorletzten Jahrhunderts zu stammen. Zeugt es doch von einem gewissen Alter und von der Vergänglichkeit prächtiger und auch unheimlicher Flügelformationen seltener Nachtschmetterlinge, deren Flügel aus Pastell im Bild bereits herab gefallen zu sein scheinen. Staub, Pastell, zarteste Flügel.
Material und Bild werden hier eins.
In der Graphitzeichnung wird mehr noch ein Gefühl wachgerufen, das an die vergessenen Zonen erinnert, in denen sich die Falter am Tage verstecken können. Ziehen wir die verstaubte Decke hoch, heben den Karton auf dem Dachboden an und alles flattert auf.
Hier wird das Reich der märchenhaften Oberflächen betreten und die Kanten des Schauderns gestreift

Arnold Dreyblatt:
Arnold Dreyblatt: zeigt die Arbeiten Das Instrument II von 2011 und Memory Lost von 2007.
Das Instrument I und II sind zwei Lenticulararbeiten, so genannte Wackelbilder, jeweils 110 x 65 cm groß, hergestellt für die Installation The Wunderblock im Deutschen Hygiene Museum Dresden (2000). Die Texte und Diagramme sind Auszüge aus der Traumdeutung von Sigmund Freud. (Traumdeutung; VII, Zur Psychologie der Traumvorgänge (B) Die Regression, 1900). Freud schlägt darin mehrere räumliche Metaphern für Wahrnehmung und Erinnerung vor. In einer zweiten Ausgabe bemerkt er per Fußnote einen Bezug zu seinem späteren Aufsatz Notiz über den Wunderblock(1925).
Die Lenticular Technik wurde gewählt als interaktives Mittel der Darstellung. Jedes Paneel enthält Fünf Text - und Bildschichten, die man von unterschiedlichen Standpunkten aus betrachten kann und die auf diese Weise ein Palimpsest fragmentarischer Konzepte bilden.
Das Instrument I ist im Hygiene Museum Dresden Teil der Dauerausstellung.

David Rhodes:
Die Gemälde haben eine literarische Qualität, sie sind immer einfach und direkt, jedwede Komplexität ergibt sich aus gründlicher Betrachtung. Sie sind handgemacht und repititiv, aber sie wiederholen nichts von außerhalb, sondern eine komplexe Idee ihrer selbst.
Im Zickzack wird das Auge entlang dunkler Streifen über eine helle Fläche geführt. Es gibt keinen Haltepunkt - die Dynamik im nüchternen Arrangement ist wie ein freier Fall.

Christiane ten Hoevel: Die Zeichnung "Wie künstlerisches Tun Wissen schafft" ist die komprimierte Zusammenfassung von 20 Einzelzeichnungen, zu denen
begleitend ein Text über das künstlerische Tun entstand. Indem die
Figuren sich tanzend auf Satzfetzen aus dem Begleittext beziehen,
veranschaulichen sie das Denken über das Tun. Das Denken findet in ihrer
Bewegtheit eine bildliche Ausdrucksform. Die schwarzen, flachen Silhouetten der Körper zwischen den räumlich gezeichneten, farbigen Lettern drehen die gewohnten Verhältnisse um.

Michael Toenges:
Sichtbarmachen durch Überdecken ist das Grundprinzip dieser künstlerischen Arbeit. Pastos und körperlich klebt die Farbe in – an - auf dem Bildkörper, beinahe ihrer illusionistischen Macht beraubt und gezwungen, sich in der Welt der Dinge zu behaupten. Soviel Masse und Form auf so kleiner Fläche, die schier zu bersten scheint und die Menge an Materie kaum halten kann, so ein kleines schweres Stück ! Und dennoch sind es Bilder mit einer Komposition, und blickt man länger in diese unruhige Flächenwelt, bilden sich im Raum hinter den Augen Tiefen und Räume unabhängig vom tatsächlichen Relief. Der Betrachter kann hineingehen und wieder herauskommen, die Bildhaut ist ein magischer Spiegel, der sich öffnet und verschließt.

Andrea Übelacker:
Im vorderen Galerieraum ist ein breiter Streifen aus wiederkehrenden Formen mit farbigen Filzstiften direkt auf die Oberflächenhaut des Raumes gemalt, über die Heizung, ab in die Höhe. Wie bunte Federchen, mille-fleur-artig verteilt, bilden die kleinen Stiftspuren ein fortsetzbares Muster. Eine Installation aus Latten und Polsterfolie wächst in den Raum hinein. Ein poetisch sinnlicher Ort entsteht, der dem Körper Bewegung aufzwingt, dem Rücken eine Nische bietet, "Einrichtung" zitiert, ohne es zu sein.
Das fotografische Dokumentieren und Archivieren meiner Arbeiten in
verschiedenen räumlichen Gegebenheiten, Kombinationen und damit Kontexten
ist ein Bestandteil meiner künstlerischen Arbeit. Die Bilder sind als einzelne Arbeiten zu betrachten, werden für mich aber durch unterschiedliche Kombinationen und Nachbarschaften in ihren Bedeutungen beweglicher.
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MITTWOCH | Philosophische Reihe ![]()
Lesung und Gespräch Hinderk Emrich / Michael Roes // Engel und Avatar
Mittwoch | 8. Februar 2012 | 20:00 Uhr
>>Info

Hinderk Emrich / Michael Roes // Engel und Avatar
»Wir werden die virtuelle Welt als ebenso wirklich wie unsere sinnlich erfahrbare Welt empfinden, weil sie unmittelbar dieselben Hirnregionen stimulieren
wird, die gegenwärtig noch an unsere körperlichen Sinne gekoppelt sind.« Vor dem Hintergrund dieser fundamentalen Feststellung entfaltet
sich ein Gespräch zwischen Natur- und Geisteswissenschaften über den Menschen und seine Wahrnehmung der Welt in einer Zukunft, die sich der Vorhersehbarkeit immer mehr entzieht.
»Warum macht uns diese Verfügbarkeit globaler Informationen und Konstrukte nicht reicher? Informationen sind keine Erfahrungen! Und unsere Fähigkeit, Erfahrungen zu verarbeiten, sind begrenzt. Für eine relevante Verarbeitung bedarf es der Befähigung zur Bildung von Hierarchien: Was ist
bedeutsam für mich, was betrifft mich? In der Verfügbarkeit von allem und jedem fehlt es an Hierarchien, die über quantitative Algorithmen hinausgehen«.
Hinderk Emrich, geboren 1943, Psychiater, Psychoanalytiker und Philosoph. Von 1992-2008 Ordinarius für Psychiatrie und Psychotherapie an der
Medizinischen Hochschule Hannover. Zahlreiche Veröffentlichungen. Wesentliche Forschungsgebiete: Psychopharmakologie, Wahrnehmungspsychologie
und Systemtheorie von Psychosen, Synästhesie. Zusätzliche wissenschaftliche Interessen: analytische Philosophie des Geistes, Psychoanalyse
nach C.G. Jung, Medientheorie, Tiefenpsychologie des Films. Veröffentlichungen: Psychiatrische Anthropologie (1990), Vom Nutzen des
Vergessens (1996), Antikonvulsiva in der Psychiatrie (2000), Welche Farbe hat der Montag? Synästhesie: Das Leben mit verknüpften Sinnen (2001),
Psyche und Transzendenz (2002), Facetten der Sucht (2006).
Michael Roes, geboren 1960 in Rhede/Westfalen, aufgewachsen in Bocholt. Mehrjährige Aufenthalte im Jemen, Israel und Amerika bildeten den
Hintergrund für viele seiner Bücher, zuletzt: Die Fünf Farben Schwarz und Geschichte der Freundschaf. Im Anschluss an das Studium der Psychologie,
Philosophie und Germanistik arbeitete er als Regie- und Dramaturgieassistent an der Schaubühne am Lehniner Platz in Berlin. Ethnologische
Studien sowie längere Aufenthalte im Nahen Osten und in Amerika führten zu viel beachteten Werken. Im Jahr 2000 drehte Roes in New York
und im Jemen seinen ersten Spielfilm Someone Is Sleeping in My Pain, einen arabischen Macbeth. Derzeit ist der in Berlin lebende Michael Roes
Gastprofessor am Center for Art and Culture der Central European University in Budapest. 2006 erhielt Michael Roes den ersten Alice Salomon
Poetik Preis, weil »er als Poet, Romancier, Filmemacher und als Kundiger in der Lehre ein exzellentes und provokantes Werk hervorgebracht hat«.
Der Preis ist mit einer Alice Salomon Poetik Dozentur verbunden.
oqbo exchange > dok25a Düsseldorf
25. Februar 2012 - 24. März 2012
Eröffnung Freitag 24. Februar 2012 19 Uhr
Tabea Langenkamp, frühere Galeristin, und Andreas Schön, Maler, organisierten bereits zu Beginn der 2000er Jahre Ausstellungen mit jungen Künstlern der Düsseldorfer Akademie in einer grossen Halle in Düsseldorf - Heerdt und entschlossen sich 2008, diese Arbeit in den Räumen einer Villa in Oberkassel fortzusetzen. >>...mehr Text
Link > dok25a
Ansicht aktuelle Ausstellung doka25







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